Vom Wert der Freiheit und der Vitalität von Print

18. November 2019 • Aktuelle Beiträge, Pressefreiheit, Redaktion & Ökonomie • von

Wo die Presse frei und unabhängig arbeiten kann, widmet sie sich besonders intensiv kritischen gesellschaftlichen Fragen. Das legt der World Press Trends Report dar und auch, dass die Nachfrage nach hochwertigen Nachrichten stieg. Aber dies genügt offenbar nicht, um einen Trend zu stoppen: Gesamterlöse und Redaktionen schrumpften weltweit weiterhin.

Der Bericht basiert auf von einem dreiköpfigen Forscherteam gesteuerten und ausgewerteten Umfragen und Datensätzen aus mehr als 50 Ländern. Erfahrungen, Befürchtungen und Risiken, falschen Informationen aufzusitzen, haben bei einem Teil des Publikums die Wertschätzung für glaubwürdige, qualitätsvolle und professionelle Inhalte gesteigert. Dieses Publikum ist offenbar zunehmend bereit, für Inhalte zu bezahlen und oft auch, sich gesellschaftlich zu engagieren. Die Umstellung auf digitale Abonnements und Bezahlschranken wird eher akzeptiert als noch vor einigen Jahren.

Wichtigstes Ergebnis des Berichts sind belastbare statistische Beweise, die direkte und starke Beziehungen zwischen einer freien Presse sowie Faktoren zeigen, die die Vitalität von Demokratien und Gesellschaften sowie Wohlstand belegen.

Ähnliche Korrelationen fallen auch in anderen Studien auf: In Ländern, die in der Pressefreiheits-Rangliste von „Reporter ohne Grenzen“ weit oben liegen, ist die Korruption niedriger, das Vertrauen in Medien höher. Korrelation sind zwar keine Kausalitäten, aber Hinweise auf bemerkenswerte Parallelitäten.

Die rückläufigen, weltweiten Print-Umsätze rühren vor allem aus sinkenden Print-Werbeumsätzen her (minus 7 Prozent), denen aber Zuwächse im Bereich der digitalen Werbeeinnahmen von 5 Prozent gegenüberstehen. Der Bericht markiert auch einen Punkt, der in der Öffentlichkeit oft anders wahrgenommen wird. So wichtig die digitale Transformation ist, das Geld wird weiterhin mit Gedrucktem verdient: Druckaufträge machen 86 Prozent des Umsatzes der Nachrichtenverlage aus.

Strategisch setzen die Verlage auf automatisierte News zu Börse, Sport, Wetter, wie eine weitere Studie am Beispiel Deutschlands zeigt. Ihr Einsatz soll in den nächsten drei Jahren mindestens verdreifacht werden.

 

WPT/WEF Trends Report, erstellt von François Nel, Coral Milburn-Curtis und Castulus Kolo. http://www.wan-ifra.org/wpt, veröffentlicht am 28.10.2019.

 

Erstveröffentlichung: tagesspiegel.de vom 17. November 2019

Bildquelle: pixabay.com

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