Die Realität der Medien in der Flüchtlingskrise

25. März 2019 • Qualität & Ethik • von

Einer Studie zufolge haben die Medien in der sogenannten Flüchtlingskrise ein weitgehend zutreffendes Bild gezeichnet, allerdings mit Ausnahmen.

Vergleiche zwischen der sogenannten Realität und der Medienberichterstattung sind so eine Sache. Seit Trump und seiner Sprecherin Conway wissen wir, dass Meinungen als „alternative Fakten“ instrumentalisiert werden und Tatsachen zur Diffamierung als „Fake News“ missbraucht werden können.

In Deutschland glaubte im Jahr 2015 mehr als die Hälfte der Deutschen, dass die Medien während der Flüchtlingskrise nicht korrekt über das Alter und die Verteilung von Männern und Frauen unter den Flüchtlingen berichteten – im Verhältnis würden etwa Frauen und Kinder zu häufig gezeigt. Obwohl den deutschen Medien in Umfragen weiterhin grundsätzlich eine hohe Glaubwürdigkeit zugeschrieben wurde, misstraute eine Mehrheit der Bevölkerung der Berichterstattung über die Zahl der Zuwanderer und die Kriminalitätsraten in dieser Gruppe. Der Begriff der Lügenpresse wurde in diesem Zusammenhang als deutsches Pendant zu „Fake News“ lanciert.

Die Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer, Pablo Jost, Jörg Haßler und Simon Kruschinski von der Universität Mainz sind diesem Vorwurf jetzt in einer aktuellen Studie nachgegangen. Sie untersuchten insgesamt 3508 Artikel aus der FAZ, der SZ und der BILD sowie 1218 Fernsehbeiträge aus der Tagesschau, der heute-Sendung und RTL aktuell zur sogenannten Flüchtlingskrise. Mit Hilfe offizieller Statistiken des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und des Bundeskriminalamtes (BKA) haben die Forscher Herkunft, Alter und Geschlecht sowie Berichte über Straftaten von Zuwanderern den amtlichen Statistiken gegenübergestellt.

Für Alter, Geschlecht und Herkunft der Geflüchteten sind die Befunde der Wissenschaftler eindeutig. Die Verhältnisse wurden in den untersuchten Medien nahezu exakt so wiedergegeben, wie sie sich auch in den amtlichen Statistiken wiederfinden. Dagegen war Kriminalität im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise lange Zeit vergleichsweise unterrepräsentiert – bis zu den Ereignissen in Köln in der Silvesternacht 2015. Im Laufe des Januar 2016 dominierten dann die sexuellen Übergriffe die öffentliche Debatte und verschoben den Berichterstattungsfokus auf Flucht und Migration – und damit auch die mediale Realität.

Marcus Maurer, Pablo Jost, Jörg Haßler, Simon Kruschinski (2018): Auf den Spuren der Lügenpresse. Zur Richtigkeit und Ausgewogenheit der Medienberichterstattung in der „Flüchtlingskrise“. In: Publizistik 64, S. 15-35. (Online unter https://doi.org/10.1007/s11616-018-00466-y)

 

Erstveröffentlichung: tagesspiegel.de vom 24. März 2019

 

Bildquelle: Flickr CC / ekvidi: Berlin sees Syria; Lizenzbedingungen: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

 

 

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