Dem Watchdog Zähne verleihen

14. November 2013 • Qualität & Ethik • von

Journalisten in den USA und in Großbritannien begreifen sich für gewöhnlich als Wachhunde der Demokratie. Sie sollten also danach streben, der Bevölkerung Informationen zu liefern, die das Handeln von politischen und ökonomischen Eliten nachvollziehbar machen. Bisherige Transparenzinitiativen in den USA und Großbritannien reichen jedoch häufig nicht aus, um Reportern Zugang zu den nötigen Informationen zu verschaffen.

Einige Daten wie etwa große Teile der Regierungsverträge mit Unternehmen sind in den USA zwar offen einsehbar und das Gesetz zur Informationsfreiheit (Freedom of Information Act – FOIA) eröffnet in vielen Bereichen Einblicke in das Handeln der nationalen Administration. Doch wirklich brisante Sachverhalte wie etwa die Geschäfte der Geheimdienste bleiben meist unter Verschluss.

James T. Hamilton, Leiter des journalistischen Graduiertenprogramms der Universität Stanford, erläutert im Folgenden, wie Medien auf diese Informationslücke reagieren können:

Die Rolle von Journalisten im Bereich der Transparenzinitiativen wird selten diskutiert. Auf dem Open Government Partnership Summit Ende Oktober in London kam das Thema jedoch auf den Tisch. Richard Sambrook von der Universität Cardiff moderierte ein Panel mit dem Titel „Regierung und Medien: Freunde oder Feinde?“ Unter den Diskussionsteilnehmern waren John Lloyd, Journalist der Financial Times und Direktor des Forschungszweigs Journalismus am Reuters Institute for the Study of Journalism, Justin Arenstein von der African Media Initiative, Yuli Ismartono vom Tempo Magazine Indonesia und ich.

An diesem Tag veröffentlichte das Reuters-Institut auch eine Konferenz-Schrift mit dem Titel „Transparency in Politics and the Media. Accountability and Open Government” (“Transparenz in der Politik und in den Medien: Rechenschaft und offenes Regierungshandeln“).

In der Podiumsdiskussion wie auch in dem Buch kamen die Journalisten und Akademiker zu dem Schluss, dass Transparenzinitiativen in den USA und Großbritannien häufig das Ziel verfehlen, die Öffentlichkeit adäquat zu informieren. Reporter können die Bürger nicht mit dem Hintergrund versorgen, der nötig wäre, um die Handlungen der Politik nachzuvollziehen und zu kontrollieren. Initiativen der Regierung zu öffentlichem Informationszugang sind demnach häufig auf zwei Ziele fokussiert: Sie sollen Unternehmen helfen, ihre Geschäfte aufzubauen oder Kunden unterstützen, rationale Konsumentscheidungen zu treffen.

Die Wissenschaftler und Journalisten schlagen vier Maßnahmenpakete vor, mit denen Medien auf diese Informationslücke reagieren können:

Erstens: Medien sollten selbstbewusst aufzeigen, wie die Regierung Journalisten besser mit Daten versorgen könnte. Die investigativen Reporterinnen Sarah Cohen und Jennifer LaFleur stellen in der Reuters-Veröffentlichung klar, dass Regierungs-Daten immer in einer standardisierten, für Maschinen lesbaren Form veröffentlicht werden sollten. Der Regierungsapparat sollte statt Sekundärquellen, für die Veröffentlichung aufbereitet wurden, Originaldokumente wie etwa Kalender, Verträge und Arbeitsverträge veröffentlichen.

Zweitens: Medienhäuser sollten gezielt Geschichten veröffentlichen, die Erfolge und Versäumnisse der Transparenzregelungen aufzeigen. In den US-Medien könnten dies etwa Geschichten sein, die durch Akteneinsicht, die das Gesetz zur Informationsfreiheit (FOIA) zulässt, möglich wurden. Dem sollten die Medien Geschichten oder Recherchen gegenüberstellen, die blockiert wurden, da die Regierung Informationen nicht ungeschönt veröffentlichen ließ oder die Veröffentlichung immer wieder verzögerte.

Drittens: Redaktionen sollten sich bemühen, die datenjournalistischen Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter zu fördern oder generell erst aufzubauen. Sind Daten erst einmal veröffentlicht, brauchen Medienunternehmen mehr Mitarbeiter, welche die Geschichten im Inneren der Datenmengen sehen und herausfiltern können. Mithilfe von Datenpaketen und Algorithmen Schlüsse über das Regierungshandeln zu ziehen, ist ein wachsender Bereich des so genannten Computed Journalism, der computer- und webbasierten Recherche.

Viertens: Die Medien sollten auch ihre eigene Produktion transparent machen. Wenn Journalisten Politiker anhalten, sich an Normen der Transparenz zu orientieren, sollten sie diesen Grundsatz auch selbst befolgen. Da bietet es sich etwa an, Hintergrund-Dokumente zu einer Geschichte dem Publikum zur Verfügung zu stellen – was durch Pattformen wie Document-Cloud noch einfacher wird. Rundfunksender können ihre Glaubwürdigkeit dadurch steigern, dass sie ungekürzte Versionen der verwendeten Interviews online stellen. Die Doku-Serie Frontline des US-Senders PBS hat dies kürzlich in vorbildlicher Art und Weise für seine Reihe “Money, Power and Wall Street” getan.

Übersetzt aus dem Englischen von Karen Grass

Original-Version auf Englisch: Open media, open politics. A two way street

Photo credit: Doug88888 / Flickr Cc

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