Guinea-Bissau: Die Corona-Krise und die Medien

17. April 2020 • Aktuelle Beiträge, Internationales, Qualität & Ethik • von

In dem westafrikanischen Land informieren die Medien die Bevölkerung über die Gefahr der Pandemie und rufen zu Präventionsmaßnahmen auf.

Guinea-Bissau begann sehr spät mit der Prävention gegen Covid-19. Das westafrikanische Land zählt zu den am geringsten entwickelten Ländern weltweit und hat weder finanzielle Kapazitäten noch qualifiziertes Gesundheitspersonal.

Die Medien sind das Hauptinstrument zur Prävention von Covid-19. Mit finanzieller und technischer Unterstützung durch die Vereinten Nationen, aber ohne Unterstützung durch die Regierung oder durch die  lokalen Gesundheitsbehörden informieren die lokalen Radiosender (Community Radios) in allen Regionen des Landes die Bevölkerung über die unsichtbare Gefahr des Virus. Inzwischen gibt es nach Angaben der John-Hopkins-Universität 43 bestätigte Infektionsfälle im Land.

Die Medien haben auch entscheidend dazu beigetragen, dass viele Orte des öffentlichen Lebens inzwischen geschlossen bleiben, darunter die wichtigsten Märkte, Kirchen und Moscheen. Auch religiöse Zeremonien finden zurzeit nicht statt. Trotz geringer Fachkenntnisse über das Coronavirus haben es die Medien Guinea-Bissaus geschafft, die gesamte Bevölkerung des Landes zur Prävention zu mobilisieren, um den unsichtbaren Feind zu bekämpfen, der vor Guinea-Bissau bereits alle Nachbarländer erreicht hat: Senegal, Gambia und Guinea-Conakry.

Dank der Aufklärungsarbeit durch die Medien findet sich inzwischen am Eingang einiger öffentlicher und privater Einrichtungen in der Hauptstadt Bissau ein Eimer mit Wasser und Seife, an dem die Bürger sich vor dem Betreten des Gebäudes die Hände waschen. Außerdem hatten einige Bürger der Hauptstadt begonnen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, den Toca Tocas und Taxen, Gesichtsmasken zu tragen – inzwischen ist der öffentliche Verkehr sogar ganz ausgesetzt.

Dennoch gibt es in den Medien Guinea-Bissaus noch immer große Mängel in der Dokumentation, Überprüfung und Veröffentlichung von journalistischen Fakten über das Coronavirus. Die Journalisten hinterfragen Informationen, die sie zum Thema Covid-19 in ihrem Land erhalten, nicht kritisch genug.  Weltweit zirkulieren Falschinformation über das Coronavirus, die Missverständnisse nähren und es den Journalisten schwer machen, die Menschen im gesamten Staatsgebiet zuverlässig zu informieren.

Die Verbreitung unzuverlässiger Informationsquellen stellt für die Journalisten Guinea-Bissaus bei der Berichterstattung über Covid-19 eine große Herausforderung dar. Teilweise transkribieren und veröffentlichen Journalisten nur Zusammenfassungen von Reden von Mitarbeitern der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

In vielen Regionen des Landes gibt es keine ausreichende medizinische Infrastruktur, sodass die Regierung die von den Community Radios verbreiteten Gesundheitsvorkehrungen nicht in die Tat umsetzen kann. Die Medien und Journalisten haben aber die Führer aller religiösen Konfessionen des Landes mobilisieren können, ihre Gläubigen vor dem unsichtbaren Feind zu warnen.

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