Malta: Die Corona-Krise und die Medien

15. April 2020 • Aktuelle Beiträge, Qualität & Ethik • von

Das Versprechen der maltesischen Regierung, Medienunternehmen, die mit den finanziellen Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen haben, staatliche Hilfe zu gewähren, ist nicht einhellig begrüßt worden.

Der maltesische Medienmarkt ist klein – was nicht überrascht, wenn man bedenkt, dass das Land weniger als eine halbe Million Einwohner hat. Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender Television Malta wird von der Regierung finanziert, außerdem besitzen die beiden wichtigsten politischen Parteien ihre eigenen Fernseh- und Radiosender und geben ihre eigenen Zeitungen heraus. Auch die katholische Kirche finanziert einen Radiosender. Es gibt vier Tageszeitungen, zwei in englischer und zwei in maltesischer Sprache. Eine weitere Zeitung, Malta Today, erscheint mittwochs und sonntags. Zusätzlich existieren mehrere Nachrichten-Websites.

Zu Beginn dieses Jahres lag das Hauptaugenmerk der Medien noch auf der anhaltenden politischen Krise, die durch die Ermordung der Enthüllungsjournalistin und Anti-Korruptions-Aktivistin Daphne Caruana Galizia im Jahr 2017 ausgelöst wurde. Infolge dieser Krise trat Premierminister Joseph Muscat schließlich zurück und wurde im Januar von Robert Abela abgelöst.

Noch Anfang Februar griffen die maltesischen Medien das Coronavirus nur in der Auslandsberichterstattung auf, auch wenn die Journalisten begannen, immer mehr Falschinformationen zur Pandemie zur Kenntnis zu nehmen und auf diese zu reagieren. Als die Covid-19-Fälle im benachbarten Italien rasch zu steigen begannen, verlagerte sich der Schwerpunkt der Berichterstattung.

Malta registrierte am 7. März seinen ersten Fall von Covid-19. Inzwischen sind über 300 Fälle bestätigt worden, drei Menschen sind am Coronavirus gestorben. Eine tägliche Pressekonferenz des Leiters der Gesundheitsbehörde informiert die Journalisten über die neuesten Entwicklungen. Die Konferenzen werden inzwischen allerdings digital durchgeführt, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Die Medien arbeiten dabei eng mit den Gesundheitsbehörden zusammen und geben wichtige Neuigkeiten, die dort verkündet werden, weiter.

Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes

Die Bewohner Maltas sind untereinander eng verbunden, und die Medien bemühen sich im Allgemeinen darum, die Identität der mit Covid-19 infizierten Personen nicht preiszugeben. In mehreren Fällen konnten Patienten dennoch identifiziert werden, nachdem ihre Arbeitsplätze in den Medien benannt worden waren, um dort die weitere Ausbreitung der Krankheit einzudämmen.

Beispielsweise berichteten lokale Medien über die Fälle von zwei Supermarktangestellten und einem Apotheker, die Symptome der Krankheit gezeigt hatten. Die Gesundheitsbehörden informierten über die Medien die Öffentlichkeit, dass sie sich selbst isolieren sollten, wenn sie diese Betriebe besucht und selbst Symptome entwickelt hätten.

Fehlinformationen

Auf Malta kursieren unwahrscheinlich viele Falschmeldungen zum Coronavirus, die sich bereits einige Zeit vor der Bestätigung des ersten Falls von Covid-19 verbreiteten. Die Behörden und die Medien haben gemeinsame Anstrengungen unternommen, um Fake News zu bekämpfen, und Journalisten bitten den Leiter der Gesundheitsbehörde häufig darum, sich bei der täglichen Pressekonferenz zu falschen Behauptungen zu äußern, die in den sozialen Medien kursieren.

So wies die Times of Malta auf ein Bild hin, das Menschen zeigte, die vor einem Supermarkt Schlange standen. Es stellte sich heraus, dass das Foto in Italien aufgenommen worden war. Etliche  maltesische Medien haben zudem ihre Aufmerksamkeit auf die zahlreichen Verschwörungstheorien gelenkt.

Einige der Fragen, die von den Medien bei Pressebriefings an die Gesundheitsbehörden gestellt werden, stammen von Lesern, die den Journalisten ihre Bedenken mitteilen und sie bitten, diese Fragen in ihrem Namen weiterzugeben.

Finanzieller Druck

Viele Medienunternehmen beginnen bereits, die finanziellen Folgen der Pandemie zu spüren. Mehrere Nachrichtenredaktionen haben die Gehälter von Angestellten und Freiberuflern gekürzt und die Zahl der Schichten reduziert.

Die Regierung reagierte auf einen Appell des Institute of Maltese Journalists mit der Zusage staatlicher Beihilfen für Medienunternehmen. Nicht alle sprechen sich jedoch für eine solche finanzielle Unterstützung aus. Einige warnen davor, dass eine Beihilfe wahrscheinlich an Bedingungen geknüpft wäre. The Shift, eine unabhängige Nachrichtenwebsite, die für ihre furchtlose investigative Berichterstattung bekannt ist, warnte vor den Auswirkungen einer solchen Hilfe auf die Medienfreiheit.

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